„Jedem einzelnen Teile des Seins haftet also notwendig das ‚Eines‘ an…“
Platon
„Jedem einzelnen Teile des Seins haftet also notwendig das ‚Eines‘ an…“
Platon
Symbolik der 1 – Das Eine, der Ursprung aller Dinge
Die Zahl 1 ist das erste Prinzip unter den Universalprinzipien. Sie ist die erste der natürlichen Zahlen. Mit ihr beginnt die Zahlenreihe. Mit ihr beginnen wir zu zählen. Dementsprechend steht sie auch in der Philosophie der Zahlen symbolisch für das Prinzip des Anfangs. Wo immer etwas begonnen wird, handelt es sich um das Prinzip der Zahl 1: der erste Schritt einer Reise, der erste Schultag, der 1. Januar, der erste Tag der biblischen Schöpfungsgeschichte. Alles beginnt immer mit der 1. Die 1 ist ein Beginner, der Start von allem. Sie war zuerst da und sie geht symbolisch betrachtet allem voraus. Die Symbolik der 1 steht in nahezu allen Kulturen für Anfang, Ursprung und Einheit.
Mathematisch betrachtet ist jede folgende Zahl ein Vielfaches der Zahl 1. Alles beinhaltet die 1. Auch dies lässt sich wieder symbolisch verstehen: Da alles auf der 1 aufbaut, ist die 1 auch in allem enthalten. In der 2 ist die 1 enthalten, in der 3 ist die 1 enthalten, in allem, was folgt ist die 1 enthalten. Die 1 ist der „Urstoff“. Man könnte deshalb auch sagen: „Alles ist 1“. Wie im Samenkorn der ganze Baum enthalten ist, in der Stammzellen der ganze Mensch oder mit der Geburt das ganze Leben beginnt – die Symbolik der 1 steht deshalb auch für das „Alleine“. Das Prinzip findet man nicht nur in der Mathematik, sondern in allen Fachbereichen: In der Physik ist es bekannt als die „Singularität“, der Punkt, aus dem der Urknall stammt und aus dem sich alles, das ganze Universum entwickelt hat. In den Religionen ist es das Prinzip „Gott“, das ganz am Anfang da war, die Welt geschöpft hat und das in allem späteren enthalten ist (siehe auch Beitrag „Bedeutung der Zahlen in der Bibel“) Die 1 ist also nicht nur ein Beginner, sondern auch das „Einzelne“, das in allem enthalten ist. Die 1 repräsentiert also auch das Prinzip „Vollkommenheit“, „Ganzheit“, „Einheit“, „Alles“.
Kreis – Symbol für die Einheit
Dem Prinzip der Zahl 1 haftet aufgrund des Charakters Ursprung von allem zu sein und somit in allem enthalten zu sein, also eins und alles zu sein, etwas Faszinierendes, „Göttliches“ und Zauberhaftes an. Die Symbolik der 1 ist für den menschlichen Verstand nicht ganz greifbar – ähnlich wie die Ganzheit und Unendlichkeit des Universums nicht vorstellbar ist oder die Gottheit in den Glaubenslehren etwas Mystisches und Unförmliches hat. In der Physik ist es das Prinzip der Singularität, das sich den Wissenschaftlern der finalen Berechenbarkeit entzieht. Der Charakter, dass im Anfang bereits alles enthalten ist und die damit verbundene Ungreifbarkeit und Zauberhaftigkeit, kommt in Redewendungen wie „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, „Dream big“, „Der Tropfen ist in dem Ozean und der Ozean ist in dem Tropfen“ (Buddha), „Amazing things happen, when you try“, „The expert in anything was once a beginner“, „Der Weg ist das Ziel“ zum Ausdruck.
Synonyme für die Zahl 1:
Anfang, Beginn, Teil von allem, Einheit, Vollkommenheit, Alleins.
Häufig verwendete Symbole sind Sonne, Licht, Singularität, Universum, das Edelmetall Gold, das Fabelwesen Einhorn, Gott.
Frage:
Wusstest du, dass im Prolog einer Geschichte oder in der ersten Szene eines Films oft schon die ganze Botschaft des Werks in Kürze verpackt ist? Entsprechend des Prinzips 1 ist im Ersten und Kleinen das Große und Ganze schon enthalten. Beispiele sind die biblische Genesis, der Prolog im Himmel in Goethes Faust, die erste Szene im Blockbuster „Forrest Gump“ uvm. (Mehr zu Zahlen in der Literatur siehe Beitrag „Zahlen in Märchen“)
Zitate zur Symbolik der Zahl 1:
„Denn du weißt ja, dass die Meister in dieser Kunst einen auslachen und fort weisen, wenn einer die Einheit in Gedanken zerschneiden wollte, und wenn du es in viele Stücke zerschnittest, so würden sie diese vielen Stücke dann wiederum als ebenso viele Einheiten setzen und so es nie geschehen lassen, dass die Einheit einmal nicht als Einheit, sondern als Vielheit von Teilen erschiene.“
(Platon)
„Wer aber recht nachdenkt, wird gewiß herausfinden, daß die Eins nicht mit den Sinnen des Körpers wahrgenommen werden kann. Denn was immer von einem solchen Sinn berührt wird, ist schon nicht mehr eines, sondern vieles, denn es ist ein Körper und hat daher unzählbare Teile.“
(Augustinus)
„… ungeworden und unvergänglich, ohne Anfang, Ende und Veränderung, unteilbar, nicht wegdenkbar und ohne Mangel.“
(Parmenides)
„Das ist schon nachvollziehbar, nur meine ich, es gibt nur das Eine. Über dieses »Eine« kann ich auch keine »Ist-Aussagen« treffen. Ich kann von ihm keine »Etwas-Aussagen« machen. […] Wenn ich von Schöpfung rede oder wenn ich eine bestimmte Gottesvorstellung skizziere, dann ist das schon Unsinn. Es ist immer das Eine!“
(Hans-Peter Dürr)
„Daher kann ich nicht von Gott sprechen, weil ich sofort in die Dualität gehe und mit Gott und der Schöpfung etwas als mir gegenüber Äußerliches benenne. Die Zahl ‚eins‘ hat keinen Sinn, sie bekommt ihn erst, wenn man Aufgetrenntes zulässt.“
(Hans-Peter Dürr)
„Die große Tat des höchsten Helden ist es, zum Wissen dieser Einheit in der Vielheit zu gelangen und es dann weiterzugeben.“
(Joseph Campbell)